Montag, 11. Januar 2016

Ärztliche Versorgung während der Schwangerschaft in Schottland

Ich werde sehr oft gefragt, wie die ärztliche Behandlung während der Schwangerschaft hier in Schottland ist. Aus diesem Grund dachte ich, wäre es mal ganz interessant zu berichten, wie die Versorung in Schottland statt findet. 

In Großbritannien gibt es keine Krankenkassen, so wie in Deutschland, sondern ein staatliches Gesundheitssystem names NHS (National Health System) in dem jeder automatisch versichert ist. 
Bei allen Behandlungen, Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen etc ist der erste Ansprechpartner der GP (General Partitioner), also der Hausarzt. Dort arbeiten eine Gruppe von verschiedenen Ärzten und Krankenschwestern zusammen, so dass man nicht zu verschiedenen Arztpraxen muss, sondern alles unter einem Dach ist.


Behandlung

So war auch mein erster Anruf, nachdem ich von meiner Schwangerschaft erfahren habe, beim GP.
Während einer normalen Schwangerschaft wird man von einer Hebamme betreut. Nur bei Komplikationen wird man von einem Arzt behandelt. 

Was mir allerdings gleich zu Anfang negativ auffiel, ist das beim Arzt kein erneuter Schwangerschaftstest gemacht wird, weder Urin- noch Bluttest um die Schwangerschaft zu bestätigen. Als Grund wird genannt, dass heutzutage die Schwangerschaftstests für zuhause schon sehr sensibel sind.

Meinen ersten Termin bei der Hebamme hatte ich in der 8. Schwangerschaftswoche, dort wurde mir allerdings nur mein Pregnancy and Postnatal Record (ähnlich dem Mutterpass) ausgestellt. Zwei Wochen später folgte der nächste Termin zur Blutabnahme. Der erste Ultraschall Termin erfolgt erst in der 12. SSW, zu dem man ins Krankenhaus muss. 
Das bedeutet, in den ersten 3 Monaten weiß man gar nicht, ob man überhaupt schwanger ist oder ob das Baby noch lebt? Ich hatte mich vom Gesundheitssystem etwas alleingelassen gefühlt.

Den Größteil der Schwangerschaft finden die Untersuchungen bei de Hebamme alle 4 Wochen statt. Ab der 32. Woche alle 3 Wochen und ab 38. alle 2 und nach der 40. Woche wöchentlich.
Es werden zwei Ultraschalluntersuchungen gemacht, einmal in der 12. und in der 20. Woche. Beim ersten Termin wird der Geburtstermin bestätigt oder wenn nötig verschoben. Beim zweiten Ultraschall findet die Feindiagnostik statt. Nach dem Geschlecht des Babys wird übrigends nicht geschaut. Ein Downsyndrom Test wird hier übrigens kostenlos angeboten und muss nicht wie in Deutschland selbst bezahlt werden.

Gerade am Anfang empfand ich die Untersuchungen bei der Hebamme etwas sinnlos, da nichts weiter gemacht wurde, als Blutdruck zu messen, nach meinem Befinden zu fragen und ich eine Urinprobe abgegeben habe. Erst ab der 24. Woche wurde der Herzschlag des Babys kontrolliert und mein Bauch gemessen um zu schauen, ob das Baby wächst. Ab der 32. Woche wird die Lage das Baby's abgetastet. Man wird auch auf Schwangerschaftsdiabetes getestet, allerdings findet die Untersuchung im Rahmen einer normalen Blutabnahme statt, das heisst man muss nicht nüchtern sein und auch keine Glukoselösung trinken.

Während keiner der Vorsorgeuntersuchungen wurde ein CTG durchgeführt. Mein Gewicht wurde nur beim allererten Termin kontrolliert. Da es ab der 20. SSW keine Ultraschalluntersuchung mehr gibt, erfährt man so auch nicht das geschätzte Gewicht, Größe und Kopfumfang des Babys. Die Öffnung des Muttermunds wird nicht abgetastet, ebensowenig ob die Plazenta ihre Versorgungsfunktion noch voll erfüllt und ob genügend Fruchtwasser vorhanden ist.

Während der Schwangerschaft und ein Jahr nach der Geburt hat man anrecht auf kostenlose Zahnarztbehandlungen und braucht auch für Medikamente nichts zu bezahlen.


Geburtsvorbereitungskurs

Auch in Schottland gibt es einen Geburtsvorbereitungskurs. Mein Kurs startete in der 34. SSW und umfasst 4 Termine in 2 Woche. An den Kursen dürfen auch Partner teilnehmen. Meine Hebamme hat mich zu dem Kurs angemeldet und so musste ich mich darum nicht kümmern, was ich ganz angenehm empfand.

Vom Geburtsvorbereitungskurs (GvK) war ich positiv überrascht. Mein Kurs fand im örtlichen Krankenhaus statt. Wir waren immer eine kleine Gruppe und die Atmosphäre war entspannt. Es konnten alle Fragen, der Teilnehmer beantwortet werden.
Der GvK umfasste folgende Tehmen, die in jeweils 2 Stunden behandelt wurden:
 - Vorbereitung auf das Leben mit dem Baby. zB was tun wenn das Baby weint.
 - Stillen. Man wird sehr dazu angeregt das Baby zu stillen. Breast is best.
- 2 Kurse zum Thema Geburt

Der einzige negative Punkt wäre vielleicht, das jeder Kurs von einer anderen Hebamme geführt wurde und das es sinnvoller gewesen wäre, mit dem Thema Geburt, anstatt "Leben mit Baby" zu bekommen. Es war quasi alles rückwärts.


Geburt

Generell hat man die Wahl zwischen einer Hausgeburt, einer Geburt im Krankenkaus im sogenannten Midwife Ward oder Labour Ward. Im Midwife-led Unit oder Midwife Ward soll die Atmosphäre entspannter und heimischer sein als im Krankenhaus und man wird ausschließlich von Hebammen betreut. Auch sind dort keine medizinischen Einrichtungen vorhanden und man hat die Möglichkeit auf eine natürliche Geburt ohne medizinische Eingriffe. Als Schmerzmittel wird gas and air, ein Gemisch aus Sauerstoff und Lachgas angeboten, das über ein Mundstück eingeatmet wird.

Im Labour Ward wird man von Hebammen betreut, sollte es zu Problemen kommen, sind Ärzte zur Stelle. Es gibt die Möglichkeit einer PDA und anderen Schmerzmitteln, sollte man dies wünschen. Auch ist ein nahegelegener OP vorhanden, sollte es zu einem Kaiserschnitt kommen.

In dem Krankenhaus, in dem ich entbunden habe, war der Fall, dass diese beiden Stationen direkt nebeneinander lagen. So kann man im Notfall, oder wenn man stärkere Schmerzmittel möchte, einfach verlegt werden. Ich glaube aber, dass dies in kleineren Krankenhäuser nicht der Fall ist und das die Stationen in unterschiedlichen Häusern liegen oder gar ganz unabhängig voneinander sind.

Während der Geburt habe ich mich sehr gut betreut gefühlt, eine Hebamme war die ganze Zeit mit uns im Zimmer. Auch nach der Geburt, auf der Station war immer ein Ansprechpartner da.


Worüber ich ganz froh bin, ist das man sich hier in keinem Krankenhaus anmelden bzw verschiedene besichtigen "muss". Vielleicht ist es in anderen Städten anders, aber hier in Aberdeen gibt es nur ein Maternity Hospital (Entbindungskrankenhaus) zu dem man dann automatisch geht. Dort finden übrigens auch alle Ultraschalluntersuchungen und die Geburtsvorbereitungskurse statt.


Mutterschutz, Elternzeit und -geld, Kindergeld


 Auch in Schottland bekommt man child benefit (Kindergeld) gezahlt und zwar £20.70 (27,90 eur) für das Erste und £13.70 (18,50 eur) für jedes weitere Kind pro Woche. Im Vergleich erhält man in Großbritannien pro Jahr also 756 eur weniger Kindergeld als in Deutschland.


Mein Fazit

Ich habe zwar keinen direkten Vergleich zu der Behandlung in Deutschland, aber von Erzählungen habe ich das Gefühl, dass die Versorgung in Schottland etwas spärlicher ausfällt. Gerade am Anfang der Schwangerschaft bis zur 12. Woche findet eine Versorgung quasi gar nicht statt und das empfand ich als sehr enttäuschend. Insgesamt habe ich das Gefühl, das hier nur das allernötigste gemacht wird.
Mit dem Krankenhaus, in dem ich entbunden habe, war ich allerdings sehr zufrieden und ich habe mich gut aufgehoben gefühlt.

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